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Südtirol-Tourismus-Gedanken

Demographische Wandel: Auswirkungen auf den Tourismus in Südtirol

Posted on | Februar 8, 2008

Tourismus in Südtirol Senioren

Ein transnationales Forschungsprojekt im Rahmen von Alpine Space, soll in den nächsten 3 Jahren Aufschluss über die soziodemografische Wandel und die Auswirkungen auf den Tourismus in den Alpen geben. Die Aufmerksamkeit wird dabei sowohl den Quellgebieten, als auch den Urlaubsgebieten im Alpenraum gelten. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt auf darüber noch berichten. Hier einige Gedanke zum Thema vorweg.

Situation und Auswirkungen auf die Nachfrageseite in den klassischen Quellländern:

  • Durch die demografisch bedingte Schrumpfung der Zahl der Erwerbstätigen droht eine weitere Beeinträchtigung der Beitragsbasis. Bei Fortdauer zurzeit geltender Bedingungen werden die zukünftigen Erwerbstätigen-Generationen mit Beitragszahlungen stärker belastet als die heutigen.
  • Ein früheres Renteneintrittsalter, sinkende Rentenbeiträge, steigende Lebenserwartung und damit länger andauernder Rentenbezug im Ruhestand gefährden die Sozialsysteme.
  • Relativ hohe Zahl von Arbeitslosen bzw. Nichtverdienenden, hohe private und gesellschaftliche Kosten einer alternden Bevölkerung und einer hohen Steuer- und Versicherungslast sind zu erwarten.
  • Die Arbeits- und Erwerbsformen über die Jahre sind insgesamt vielfältiger geworden. Beispiele: Teilzeitarbeit, Zweit- und Drittjobs, Zeitverträge, Telearbeit, Voll- oder Teilselbständigkeit. Das System der Vollarbeitszeit wird voraussichtlich auch zukünftig weiter erodieren, Beschäftigte auf Zeit und “abnormale Arbeitsverhältnisse“ werden zunehmen.
  • Statt klassischer Karriereverläufe werden sich für relativ viele Menschen Zeiten der Arbeitslosigkeit mit solchen der Vollbeschäftigung oder der Teilzeitbeschäftigung im Lebenslauf abwechseln: So genannte »Patchwork-Biographien« werden zunehmend selbstverständlich werden. Die Folge ist eine wachsende Heterogenität und Unübersichtlichkeit in den Zeitstrukturen der Arbeits- und Lebenswelten und damit auch der Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensfreizeit.
  • Die Abnahme der Freizeitdauer durch längerer Arbeitszeiten und höherer Anteil mehrerer wahrgenommener Jobs ist eher wahrscheinlich.
  • Geld und Zeit verteilen sich zunehmend ungleich. Langfristig deutet sich deshalb eine deutliche Strukturveränderung an: eine zunehmende Polarisierung der Bevölkerung in zwei Gruppen, Menschen mit hohem Einkommen oder Vermögen und wenig Freizeit auf der einen, Menschen mit wenig Geld und eher viel Freizeit auf der anderen Seite. Entwicklungen wie die genannten werden sich weniger auf die Menge der Reisen auswirken als auf ihre Gestaltung in Bezug auf Reiserhythmus, Reisezeitpunkt, Zielwahl, kombinierte Geschäfts- und Privatreisen.
  • Trotz globaler ökonomischer Fortschritte wird das Pro-Kopf-Einkommen nicht zunehmen.
  • Die Einwohnerzahl wird in den kommenden 10 bis 20 Jahren vermutlich stagnieren.

Was bedeutet das für Südtirol

  • In der Stagnation oder gar Abnahme der Urlaubstage ist auch eine Chance für die heimische Tourismusbranche zu sehen: Wachstumschancen Alpinen Urlaub liegen besonders im Bereich der zusätzlichen Urlaubsreisen. Da für zusätzliche Urlaubsreisen nicht mehr so viele Urlaubstage zur Verfügung stehen, wählt man eher nähergelegene Zielgebiete. Häufig ist auch das finanzielle und zeitliche Jahresurlaubsbudget durch den Haupturlaub so weit aufgezehrt, dass für die Zweit- und Drittreisen nur mehr Nahziele in Frage kommen. Umgekehrt dürfte die erhöhte körperliche und geistige Mobilität sowie die verbesserten Fremdsprachenkenntnisse zukünftiger Senioren dürften bisherige Barrieren beseitigen, so dass Reiseziele im europäischen Ausland an Attraktivität gewinnen dürften. Hohe Reiseerfahrung und besserer Schulbildung können bei den Senioren die Tendenz zu Fernreisen verstärken. Eine solche Entwicklung könnte ein gewisses Risiko für den alpinen Tourismus darstellen. Andererseits ist die Frage, wann und wie sich die Reisegewohnheiten und -erfahrungen der heutigen jüngeren und mittleren Altersgruppen auf das Reiseverhalten im Alter auswirken werden noch nicht vollends geklärt.
  • Destinationen und touristische Betriebe, die es verstehen, mit Individualisierungs- und Modularisierungskonzepten die immer spezielleren Bedürfnisse der Kunden anzusprechen und ihnen Zeitersparnis und Convenience zu bieten, könnten von diesem Trend profitieren.
  • Aufgrund der soziodemografischen Entwicklung wird das touristische Marktsegment der Senioren mengenmäßig wachsen. Das erkennbare Potenzial im Seniorentourismus würde an Bedeutung weiter gewinnen, wenn die fernere Lebenserwartung schneller zunimmt als die Erhöhung der Lebensarbeitszeit, so dass hierdurch der Ruhestand zumindest nicht verkürzt wird.
  • Dafür, dass die Senioren in absehbarer Zukunft ein Wachstumsmotor des Tourismus bleiben, spricht insbesondere die Tatsache, dass ein großer Teil dieses Marktsegments finanziell zurzeit noch gut abgesichert ist, so dass zum Teil erhebliche Kaufkraft für den touristischen Konsum vorhanden ist. Ab dem Zeitpunkt des Austritts aus der Erwerbstätigkeit steigt zusätzlich das Zeitbudget erheblich an.
  • Zu erwarten ist, dass gerade die Senioren der Zukunft in die Beibehaltung des gewohnten Lebensstils investieren werden. Damit könnte eine zunehmende Steigerung der Reiseintensität verbunden sein, die jetzt noch unterdurchschnittlich ist.
  • Die touristische Produktgestaltung und -vermarktung hat sich darauf einzustellen, dass ihre Kunden zunehmend älter werden. Zusammen mit der erwarteten Steigerung der Reiseintensität dieser Altersgruppe dürfte sich dies positiv auf den Seniorentourismus auswirken. Es darf aber nicht vergessen werden, dass mit zunehmender Alterung der Gesellschaft auch die Zahl der Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen steigen wird. So wird mit wachsendem Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung auch die Zahl der chronisch kranken alten Menschen zunehmen. Als Folge wachsender Zahlen von Hochbetagten sowie steigender Gesundheits- und Pflegekosten werden sich die sog. Jung-Senioren zunehmend durch Betreuung ihrer Eltern zeitlich (und finanziell) gebunden sehen. Kombinierte Angebote der Tourismus- und Pflegedienstleistungsbranche, welche die Bedürfnisse der Angehörigen von Langzeitkranken oder der Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen berücksichtigen, könnten eine Marktchance darstellen.
  • Hinzu kommt die Tendenz einer Aufspaltung auch des Seniorenmarkts in zwei Segmente, zum einen in den »Erlebniskonsumenten«, welcher hohe touristische Ausgaben tätigt, und zum anderen den »Sparkonsumenten«, dem ein eher geringes Budget zur Verfügung steht, aber dessen Reiselust ungebrochen ist. Die Tourismuswirtschaft wird dann – stärker als heute – für beide Gruppen zielgruppengenaue Angebote entwickeln müssen. Insbesondere die “Sparkonsumenten” sind eine Zielgruppe, die aufgrund ihres Volumens nicht vernachlässigt werden darf. Zukünftig muss die Vermarktung vermehrt auf die Bedürfnisse und Wünsche der älteren Menschen zugeschnitten werden.

Einige offenen Fragen

  • Generell gilt, dass die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Seniorentourismus mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Während Anzahl sowie relatives Gewicht der Senioren innerhalb der Bevölkerungsstruktur für die nächsten Dekaden mit relativer Sicherheit antizipiert werden können, herrscht Unklarheit darüber, ob und wie sich das Reiseverhalten (Reiseintensität und Reiseziele) der älteren Bevölkerung in Zukunft im Konkreten verändern wird.
  • Motive, Einstellungen und Verhalten zukünftiger Generationen von Senioren sind ebenso wie die Einschätzung ihrer materiellen Lage noch weitgehend unbekannt.
  • Unklar bleibt bislang auch die mittelfristige Entwicklung der Bevölkerungszahl.

(vergl. http://dip.bundestag.de/btd/16/004/1600478.pdf)

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