Südtirol Blog

Südtirol-Tourismus-Gedanken

Neue Märkte und das Problem mit den Fremdsprachen

Posted on | Dezember 30, 2007

Maya Palenque

Wie war das mit der Henne und dem Ei? Kamen zuerst die fremdsprachigen Gäste und lernte dann ihre Sprache oder war es umgekehrt?

Ich erinnere mich an eine Fahrt nach Mexico/Yucatan und Guatemala. Ich war als Traveler mit Rucksack unterwegs um mir sämtliche Maja-Stätten anzusehen. Ich fuhr dann auch nach Belize um dort im “Blue Hole” zu tauchen, welches vor einigen Jahren vom Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau entdeckt wurde.

Jedenfalls fiel mir auf, dass auf Yucatan jeder Tourist in seiner Sprache angesprochen wird und ich wunderte mich immer warum. Ich hatte keine Markenware an und sehe nicht gerade italienisch aus, aber das kleine FILA-Zeichen am Hut verriet mich wohl.  Und so erging es allen anderen auch.

Den Höhepunkt meines Spracherlebnisse erfuhr ich dann an der berühmten Maya-Stätte von Palenque inmitten eines Urwaldes. Es gab dort wunderbare Wasserbecken inkl. Wasserfall die zum schwimmen einluden.  Ich konnte nicht wiederstehen. Mit mir taten das auch einige so zwischen 8 und 15 Jahre alte Burschen. Und wir kamen ins Gespräch und stellte fest, dass sie neben Spanisch und ihren lokalen Dialekten und Sprachen noch Französisch, Englisch, Italienisch, und Deutsch auf einem Niveau beherrschten, welches ermöglichte alles zu verstehen was Touristen so wollen und um eine entsprechende verständliche Antwort zu geben. 

Noch ein Beispiel: Mein Vorgänger im Tourismusverband Ischgl, hat zwei Jahre vor seinem Abgang den Sommer über französische Reiseveranstalter angekurbelt. Als ich übernahm, sprach die Hälfte aller Ischgler Französisch. Warum? Weil im Sommer mehr als 30% aller Gäste aus Frankreich kamen.

Die neuen Märkte werden in der Regel über Touroperators angekurbelt, was nicht ausschließt, dass die Tourismusprofis für die Marktbearbeitung die Sprachen ihrer Hoffnungsmärkte beherrschen sollten. Die TO’s* bringen dann ihre Natives mit, um erste Sprachprobleme zu überwinden. Sobald der Markt an Bedeutung gewinnt, löst sich das Sprachproblem von selbst. 

Fazit: Lassen wir zuerst die Hennen kommen und dann legen wir die Eier.

* Die Zusammenarbeit mit TO’s funktioniert nur mit großen Kontingenten. Vgl. eigenes Thema dazu.

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