Speck und Käse aus Südtirol
Posted on | Januar 29, 2008

Als Südtiroler hatte man manchmal Gusto auf ein Stück guten Speck. Heute war es eine Mischung aus Hunger und Lust und so ging ich in ein Lebensmittelgeschäft und kaufte auf gut Glück 700gr. vakuumverpackten Speck eines Produzenten aus Südtirol.
Man sollte sich ausschließlich für sich selber und nicht für die anderen schämen, aber wenn man für so ein miserables Stück Speck (völlig versalzen, viel zu wenig gelagert, schmeckte wie abgestandenes Schweinefleisch) € 20 das Kilo bezahlt und auch noch Südtirol drauf stehen hat, dann schämt man sich doch ein wenig.
Es ist es mir egal, ob das Schwein aus Holland oder aus Südtirol kommt, wichtig ist ja nur, dass es zu Lebzeiten was Gescheites gegessen und möglichst stressarm gelebt hat. Aber was hier teils verkauft wird, verdient aber den Namen Südtirol nicht.
Wo ist er denn der gute Südtiroler Speck? Gibt es ihn überhaupt?
Den besten käuflichen hab ich im Bretzhof im Pfitschtal vor einigen Monaten gegessen. Der Wirt sagte mir, dass er viel zu wenig produziere aber geschnitten kann er € 100 für das Kilo verlangen und die Leute reißen ihm den Speck vom Teller.
Einen sehr guten Speck hatte ich vor zwei Jahren auf dem “Stegener Markt” gekauft. Der Produzent stammt aus dem Ultental. Er musste laut meiner Info seine Produktion einstellen, da das Amt für Hygiene mit seinem Produktionsverfahren nicht einverstanden war. Gut war er jedenfalls. Auch hatte ich das Glück, das eine oder andere Mal ein Stück vom Olympia-Speck zu kosten. Die Speckolympiade finde jährlich im Haus von Landeshauptmann Durnwalder statt. Die Teilnehmer setzen alles dran zu gewinnen und verfolgen deshalb den gesamten Lebens- und Produktionszyklus des Fleischgebers und garantieren so die Qualität.
Einverstanden, dass es sich beim „Prosciutto di Sauris”, beim „San Daniele” und schon gar beim „Jamon Iberico de Bellota” nicht um dasselbe Produkt handelt, aber deren Qualität ist so unaussprechlich besser als alles was es an Speck zu kaufen gibt. Für einen guten Jamon beispielsweise bezahlen die Menschen – und ich gehöre dazu - bis zu € 130 das Kilo.
Liebe Speckproduzenten Südtirols, warum finde ich denn keinen „Premium-Speck” im Handel? Sagt mir bitte nicht, dass er sich nicht zu produzieren rentiere. Qualität rentiert sich immer! Vor allem dann, wenn man über das gute Image des Topproduktes das Massenprodukt verscherbeln kann. Solange sich das nicht ändert, kaufe ich jedenfalls keine Speck mehr.
Beim Käse ist es ähnlich, aber nicht ganz so schlimm. Die wenigen Bauern die Speck produzieren verkaufen ihn in der Regel nicht. Kleine Käseproduzenten produzieren in Südtirol in der Zwischenzeit teils ausgezeichnete Qualität, die man auch kaufen kann. Leider produzieren aber die großen Sennereien seit Jahrzehnten 0/8/15-Gummikäse und genießen dafür die gesamte Aufmerksamkeit des Markenzeichens. Mag sein, dass es einen Markt für Gummikäse gibt, aber wo bleibt das Premium-Produkt?
Also, liebe Sennereien, bedankt Euch bei den kleinen Käseproduzenten, dass sie die Südtiroler Käsequalität hochhalten und Ihr als Trittbrettfahrer davon profitiert.
Ok, ok! Wenn’s ums Essen geht, kontrolliere ich meine Worte nur sehr schlecht. Empfehle den Produzenten deshalb sich zunächst teuflisch zu ärgern und dann drüber nachzudenken, ob man nicht doch was gegen die Speck- und Käsemisere machen kann.
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